Kurze Einführung und Geschichtliches
Die
Trost-Orgel von Waltershausen repräsentiert mit
ihren 47 Registern und 6 Pedaltransmissionen
die größte Barock-Orgel Thüringens.
Sie ist weitgehend im Originalzustand
von 1730 erhalten (etwa 70% des Pfeifenbestands
stammen von Trost selbst) und stellt
deshalb ein außerordentlich wertvolles
Referenzinstrument dar, wenn es um die
Aufführung Bachscher Orgelwerke und
die seiner Zeitgenossen geht. Dieses
Instrument gilt heute als das Instrument,
welches den klanglichen Vorstellungen
Bachs am nähesten kommt.
Die
Orgel wurde im Zeitraum von 1724
bis 1730 von Tobias Heinrich Gottfried Trost
erbaut, wurde aber wegen mehrerer Veränderungen
der Orgeldisposition während der Bauzeit
und schwerwiegenden Konflikten zwischen
Trost und den Auftraggebern erst um
1755 möglicherweise durch den
Orgelbauer Johann Heinrich Ruppert ganz
fertiggestellt.
Das Instrument überstand
die Jahrhunderte ohne allzu schwerwiegende
Eingriffe und wurde von Orgelbau Waltershausen
im Zeitraum von 1994 bis 1998 wieder
auf den Zustand von 1730 zurückgeführt.
Es
ist ein typisches Instrument der thüringischen
Orgelbautradition, welches so charakteristische
Register wie den Violonbass im
Pedal, Terzmixturen, Sesquialtera, Viola di Gamba,
usw. enthält. Diese Register, zusammen
mit einer Fülle von gut verschmelzenden
Registern, erlauben eine endlose Fülle
an Klangkombinationen und sind damit
Wegbereiter für die deutsch-romantische
Orgel des folgenden Jahrhunderts.
Trosts
außerordentliche und neue Konzepte mit ungewöhnlichen und extremen Pfeifen-Mensuren
von Registern wie Geigenprincipal,
Flauto traverse, Vagarr,
ebenswo wie "liebliche" Register,
z.B. Flauto dolce, Flöte dupla und Nachthorn, die
Bach sehr schätzte, sind Wegbereiter
des sog. "galanten Stils".
Die von Bach geforderte "Gravität"
wird durch drei 16-Fuß-Register im Hauptwerk,
16- und 32-Fuß-Posaunen im Pedal, nicht
weniger als zwölf 8-Fuß-Labialregister
in den Manualen, reichen Terz-Mixtur-Besetzungen
sowie zwei Sesquialtera erreicht.
Das Instrument hat dadurch einen außerordentlich
dichten Plenum-Klang, wobei die Lautstärke
nie forciert wird.
Das
Orgelgehäuse wurde von Johann Eberhard Strassburger,
dem Architekten der Anna-Amalia-Bibliothek
von Weimar, entworfen und ist von außerordentlicher
Schönheit und Eleganz. Sogar die Manuale
sind noch original erhalten.
Wir
wissen es nicht genau, aber es wird
angenommen, dass Bach dieses Instrument
selbst gespielt hat. Überliefert ist
die große Wertschätzung, die Bach dem
Klang und der handwerklichen Qualität
der Trostschen Orgeln bei seinem
Besuch 1739 in Altenburg entgegengebracht
hat.
Die
Architektur der Kirche mit seinem typischen
Rundbau und den umlaufenden Emporen
auf mehreren Ebenen, entworfen von Wolf Christoph Zorn von Plobsheim, war
offensichtlich Vorläufer der Frauenkirche
Dresden. Die besondere Architektur des
Innenraums mit der Einheit von Altar,
Kanzel und Orgel, stellt eine perfekte
Umsetzung der Lutherischen Vorstellung
von Einheit der Musik und Predigt dar.
Diese Architektur ist ebenso wieder
in der Frauenkirche Dresden anzutreffen.
Der Kirchenraum hat eine halbtrockene Akustik etwa 2,5 s Nachhallzeit.
Aufnahmetechnik
Das
Instrument wurde im Juli/August 2008
mit 48 kHz, 24 Bit, in Multikanaltechnik
für
Hauptwerk 3 mit mehreren Nachhall-Antworten
für kurze, mittlere und lange Tondauern
aufgenommen (sog. Multi-Release-Technik
von OrganART).
Alle Manual-Zungenregister,
sowie das komplette Oberwerk wurden
von OrganART erstmalig mit allen originalen
Tremulanten-Klängen aufgenommen.
Danksagung
Herzlichen Dank gilt der Superintendendur
und der Gemeinde Waltershausen für die
Unterstützung des Projekts.
Besonderen
Dank gilt dem hauptamtlichen Organisten
Herrn Theophil Heinke für die Unterstützung
vor Ort und dem Orgelbau Waltershausen
für viele Informationen und Diskussionen.
Zuguterletzt gilt der Dank meiner
Frau, die mich in allen Projekten unterstützt
und für die fotografische Dokumentation
verantwortlich ist.