1904 Wilhelm Sauer-Orgel, op. 915

Dortmund/Nordrhein-Westfalen

 

Kurze Einführung und Geschichtliches

Die 3-manualige, 40-registrige Wilhelm Sauer-Orgel op. 915 von Dortmund-Dorstfeld in Nord-Deutschland ist in einer neogotischen Backsteinkirche installiert, die 1904 für die stark wachsende Bevölkerung des Ruhr-Gebiets - dem ehemals größten Bereich des Steinkohlenbergbaus in Deutschland - gebaut wurde.

Die spätromantische Sauer-Orgel ist eines der wenigen Instrumente in Deutschland, die fast vollständig in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben sind! Diese Orgel überlebte vier Katastrophen, den 1. und 2. Weltkrieg, die deutsche Orgel-Reformbewegung ("Orgelbewegung") und einen Kirchenbrand vor einigen Jahren, der durch einen Blitzschlag verursacht wurde, wobei der Turm in die Kirche stürzte.

Die Prospektpfeifen (Principal 16) sind aus Zink. Es ist nicht mehr möglich, herauszufinden, ob sie Ersatz von ursprünglich Zinnpfeifen sind, die während des Ersten Weltkriegs zwangsweise abgegeben werden mussten, oder ob sie bereits in der ursprünglichen Orgel verwendet wurden. Viele romantische Orgeln verwendeten Zink-Prospektpfeifen vor dem Ersten Weltkrieg. Es gibt keine Intonationsunterschiede im Vergleich zum Principal 8 (Zinn), so dass wir davon ausgehen dürfen, dass sie original sind.

Sauer (1831-1916) und Walcker waren die wichtigsten und größten Hersteller von Orgeln dieser Zeit und bauten seinerzeit mehr als tausend Instrumente. Sauer selbst war als Volontär ein Jahr in der Cavaillé-Coll-Werkstatt tätig (ca. 1852), wo der junge Sauer das Orgelbau-Genie traf, dessen Ruhm mehr und mehr wuchs. Sauer wird sehr oft als der "Deutsche Cavaillé-Coll" bezeichnet. Er adaptierte französische Orgel-Konzepte für die deutsche Orgel.

Man geht davon aus, dass Sauer bei Cavaillé-Coll gelernt hat, qualitativ hochwertige überblasende Pfeifen zu bauen, die wir in seinen Instrumenten vorfinden. Das Sauersche Klang-Konzept basiert auf dem Klang des spätromantischen Symphonieorchesters.

Die deutsch-romantische Orgel kann wie ein Malkasten betrachtet werden, mit dem man eine Menge von Farben mischen kann, sodass durch additive Mischung immer neue Klangfarben entstehen. Deshalb findet man üblicherweise viele 8-Fuß-Register vor. Die Registrierung ist völlig anders als die der barocken Orgeln.
Ziel sind orchestrale Klangfarben, wobei die Mixturen den Klang krönen sollen, ohne führende Stimmen zu sein.
Es gibt einen ausgezeichneten Artikel über die grundlegenden Konzepte der deutschen romantischen Orgeln mit vielen Pfeifen-Klangbeispielen von Gerhard Walcker-Mayer (siehe Links).

Die (deutsche) Orgel-Reformbewegung, die eine Rückbesinnung auf künstlerisch hochwertig hergestellte Orgeln forderte, sah vor allem den Klang der barocken Orgeln als das einzig gültige Klangkonzept an. Diese Bewegung, die die Klang-Konzepte und die Musik der romantischen Orgeln nicht (mehr) verstand, hat meist zu einer Modifikation der Intonation oder sogar zur Verschrottung der (spät-) romantischen Orgeln geführt, besonders in Deutschland. Aus heutiger Sicht bedauern wir diese Folge der Orgel- Reformbewegung sehr, da es nicht mehr viele originale Instrumente aus dieser Zeit in Deutschland gibt.

Beim Hören und Spielen dieser Orgel erleben Sie den Originalklang von 1904 mit einem starken Bezug insbesondere zur Musik Max Regers. Reger und Sauer hatten gute Beziehungen. Straube führte viele Reger-Werke auf der großen Sauer-Orgel in Leipzig auf.

Die Dorstfelder Orgel hat eine breite Palette von sehr weichen Klangfarben (pppp) bis hin zu einem sehr starken Tutti mit einiger Gewalt, die für Regers Werk erforderlich ist (ffff).

Ortsposition in Googlemaps

Aufnahmetechnik

Das Instrument wurde im Februar 2008 mit 48 kHz, 24 Bit, Multikanal-Technik für Hauptwerk 3 mit mehreren Nachhall-Antworten für kurze, mittlere und lange Tondauern zur optimalen Raumabbildung aufgenommen (sog. Multi-Release-Technik von Organ Art).

Danksagung

Dank gilt der Pfarrgemeide von Dortmund-Dorstfeld, die Zustimmung zu diesem Projekt gegeben hat.
Speziellen Dank gilt Oliver Fiedler und Jörg Glebe für die Kontakte und lokale Unterstützung sowie Orgelwerkstatt Christian Scheffler für den Wartungsservice auf Abruf und einer Menge hilfreicher Informationen und Diskussionen!
Nicht zuletzt gilt der Dank meiner Frau, die alle Projekte assistiert und für die fotografische Dokumentation verantwortlich ist.

Die virtuelle Konsole

 

Disposition

HINWEIS: Für kurze Klangbeispiele klicken Sie bitte auf die Registernamen!

Manual I (C–g3)

01. Principal 16'
02. Principal 8'
03. Bourdon  8'
04. Flûte Harmonique 8'*) 
05. Gamba  8'
06. Gemshorn 8'
07. Octave 4'
08. Rohrflöte 4'
09. Piccolo   2' *)
10. Rauschquinte  2f
11. Cornett 3-4fach
12. Trompete  8'

Manual II (C–g3)

01. Bourdon 16'
02. Principal  8'
03. Gedackt  8'
04. Concertflöte  8' *)
05. Salicional  8'
06. Dolce  8'
07. Praestant  4'
08. Traversflöte 4' *)
09. Mixtur 4fach
10. Cor Anglais 8'

I zu Ped.
II zu Ped
III zu Ped.

Manual III (C–g3)

01. Lieblich Gedackt 16'
02. Geigenprincipal  8'
03. Lieblich Gedackt  8'
04. Soloflöte   8' *)
05. Aeoline  8'
06. Voix Céleste  8'
07. Fugara 4'
08. Fernflöte 4' *)
09. Flautino 2'

II zu I
III zu II
III zu I

Pedal (C–f1)

01. Principal 16'
02. Violon 16'
03. Subbaß 16'
04. Quinte 10 2/3'
05. Octave  8'
06. Baßflöte 8'
07. Cello  8'
08. Octave  4'
09. Posaune  16'

*) Überblasende Pfeifen

Traktur: Pneumatische Kegellade

Koppeln

II-I, III-I, III-II, I-P,  II-P,  III-P,  
I-I  4'
(Superoktav-Koppel)

Spielhilfen
Zwei freie Kombinationen
Feste Kombinationen: Pianopedal, Mezzoforte, Forte, Tutti
Zungenabsteller
Handregister ab
Walze ab

Rollschweller
Schwelltritt für III. Manual

Anforderungen

Geladene Version

Speicherbedarf 3)

Prozessor-Typ 2)

16-bit, komprimiert1), Einzelschleife

3600 MB

≥ 2 GHz  DualCore

16-bit, komprimiert, alle Schleifen

4100 MB

≥ 2 GHz DualCore

24-bit, komprimiert, Einzelschleife

6500 MB

≥ 2 GHz  DualCore

24-bit, komprimiert, alle Schleifen 7300 MB ≥ 2 GHz  DualCore

1) Verlustfreie Kompression mit gleicher Audioqualität!

Die Anzahl der spielbaren Register und die erreichbare Polyphonie hängt von der Prozessor-Leistung und dem verfügbaren freien Hauptspeicher ab!

2) Minimale Konfiguration: Dual-Core, 8 GByte RAM
  Optimale Konfiguration: QuadCore, 16 GByte RAM

3) Um dieses Set zu laden, ist der angegebene freie RAM-Speicherplatz erforderlich (ohne Berücksichtigung des Betriebssystems oder sonstiger laufender Programme)

Wir empfehlen eine professionelle Audio-Wandlerkarte (z.B. RME-Series) und einen Studio-Kopfhörer (z.B. AKG Reference Headphone K701, K712) für optimalen Klang und Raumeindruck.

Demos

Die folgenden Demos wurden mit der Hauptwerk Advanced Edition-Software und dem vorliegenden Set ohne weitere Nachbearbeitung eingespielt.

Live-Einspielungen mit Randall Mullin, USA

Sigfrid Karg-Elert (1877-1933):

Chorale-Improvisation: Jesu, geh voran, op. 65

Symphonic Chorale: Ach bleib mit deiner Gnade, op. 87


Live-Einspielungen mit Anton Doornhein, NL :

Max Reger (1873-1916):

Benedictus op.59,9 4:16 min | Registrierung

Te Deum op.59,12 4:23 min Registrierung

Toccata d-moll und Fuge D-Dur op. 59, 5+6 (1901) |
Registrierung
Toccata 3:40 min
Fuge 4:42 min

Romanze a-moll op.80,8
Man 1: Bourdon 8, Flûte Harm. 8, Gemshorn 8, II-I
Man 2: Concertflöte 8, Dolce 8, Gedackt 8, Salicional 8, III-II
Man 3: Aeoline 8, + - Liebl. Gedackt 8, Voix Celeste 8, III-I
Pedal : Subbaß16, Baßflöte 8. + - (Violon 16, II-P), + - (Principal 16, I-P), III-P

Franz Liszt (1811-1886)

Ave Maria 5:27 min | Registrierung

Adagio 3:16 min | Registrierung

C. Franck (1822-1890):

Pastorale 10:23 min | Registrierung

Prelude, Fuge et Variations 8:48 min | Registrierung

Johannes Brahms (1833-1897)
Choralbearbeitungen op. 122
No. 10 "Herzlich tut mich verlangen"

Man 1: Bourdon 8, Gemshorn 8, III-I
Man 2: Concertflöte 8, Gedackt 8, Cor Anglais 8
Man 3: Geigenprincipal 8, Liebl. Gedackt 8, Soloflöte 8
Pedal : II-P

No. 5"Schmücke Dich o liebe Seele"
Man 1: Bourdon 8, Rohrflöte8

No. 9 "Herzlich tut mich verlangen"
Man 1: Principal 8, Bourdon 8, Flûte Harm. 8, Gemshorn 8, II-I
Man 2: Concertflöte 8, Gedackt 8, III-II
Man 3: Geigenprincipal 8, Liebl. Gedackt 8, Soloflöte 8
Pedal : Principal 16, Subbaß 16, Baßflöte 8, I- P, II-P, III-P

F. Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)

Sonate No.2 c-moll op.65, 2
1. Satz: Grave, Adagio 4:34 min
Man 1:
Principal 8, Bourdon 8, Gemshorn 8, II-I, III-I (Adagio: not used)
Man 2: Principal 8, Gedackt 8, III-II
(Adagio: Gedackt 8, Concertflöte 8, Cor Anglais 8)
Man 3: Geigenprincipal 8, Liebl. Gedackt 8, Aeoline 8, Fugara 4, Fernflöte 4
(Adagio: Liebl. Gedackt 8, Aeoline 8, Fernflöte 4 )
Pedal : Principal 16, Violon16, Subbaß 16, Octave 8, Baßflöte 8, I-P, II-P, III-P
(Adagio: Subbaß 16, Baßflöte 8, III-P)

2. Satz: Allegro maestoso e vivace 2:11 min
Man 1:
Principal 8, Bourdon 8, Gemshorn 8, Octave 4, Rohrflöte 4, Piccolo 2,
Rauschquinte 2f, Cornett, Trompete 8, II-I, III-I
Man 2: Bourdon 16, Principal 8, Gedackt 8, Praestant 4, Traversflöte 4
Mixtur 4f, Cor Anglais 8, III-II
Man 3: Geigenprincipal 8, Liebl. Gedackt 8, Aeoline 8, Fugara 4, Fernflöte 4
Pedal : Tutti, - + Posaune 16, I- P, II-P, III-P

3. Satz: Fuge 3:33 min
Man 1:
Principal 8, Bourdon 8, Gemshorn 8, Octave 4, Rohrflöte 4, Piccolo 2,
Rauschquinte 2f, + Trompete 8, +(Principal 16, Super-I, Super-All), + Cornett, II-I, III-I
Man 2: Principal 8, Gedackt 8, Praestant 4, Traversflöte 4, Mixtur 4f,
+ Cor Anglais 8, + Bourdon 16. III-II
Man 3: Geigenprincipal 8, Liebl. Gedackt 8, Aeoline 8, Fugara 4, Fernflöte 4, + Liebl. Gedackt 16
Pedal : Principal 16, Violon16, Subbaß 16, Octave 8, Baßflöte 8, Cello 8, Octave 4, I-P, II-P, III-P
´

Live-Einspielungen mit Andreas Mattes, Germany.

Josef Gabriel von Rheinberger (1839-1901):

Sonate No.4, a-moll, (Tonus peregrinus) op. 98
1- Tempo moderato
2- Intermezzo
3- Fuga chromatica

Sebastian Küchler-Blessing spielt Max Reger op. 52,3- Fantasie (Video)
Sebastian Küchler-Blessing spielt Max Reger op. 52,3- Fuge (Video)


Zahlreiche weitere Live-Einspielungen sind auf der ConcertHall-Webseite zu finden:
(Advanced Search, Organ: OAM - Wilhelm Sauer)

Die vorliegenden Audio-Demos dürfen nur für private Zwecke benützt werden.
Keine weitere Benutzung ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Herausgebers!

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